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TU Berlin

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Die jüngste Phase der Entwicklung seit der Einführung der neuen Studiengänge 2004/05

2001 war es Wolters und Suckale gelungen, einen zusätzlichen Lehrstuhl für die Kunstgeschichte der Moderne einzurichten, der mit dem seit 1985 an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel lehrenden Professor Adrian von Buttlar (geb. 1948, im Ruhestand seit 2013) besetzt wurde. Buttlar - in Kassel, Berlin und Hamburg aufgewachsen - hatte in München und am Courtauld-Institute of Art in London studiert und war 1977 mit einer Arbeit über den "Englischen Landsitz 1715-1760. Symbol eines liberalen Weltentwurfs" (Mittenwald 1982) promoviert worden. Er habilitierte sich 1984 mit einer Monographie über Leo von Klenze ("Leo von Klenze, Leben - Werk - Vision", München 1999, 2014²) und trat insbesondere mit Forschungen und Publikationen zur Geschichte der Gartenkunst, zur Architekturgeschichte des 18.-20. Jahrhunderts und zur Denkmalpflege und Denkmalpolitik hervor. 1996-2009 leitete Buttlar den Landesdenkmalrat Berlin, 2003-2008 den Wissenschaftlichen Beirat der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg und 2008-2013 das Kuratorium des Zentralinstituts für Kunstgeschichte in München. In Forschung und Lehre setzte er mit der Reihe "Forschungen zur Nachkriegsmoderne" und als Mitbegründer des Transatlantischen DFG-Graduiertenkollegs Berlin-New York 2004-2010 zur "Geschichte und Kultur der Metropolen im 20. Jahrhundert" (TU Berlin, Freie Universität Berlin, Humboldt Universität Berlin sowie New York University und Columbia University) neue Schwerpunkte. Aus seinen Projektseminaren gingen u.a. 2007 die kritische Ausstellung "denkmal!moderne" und 2013 das umfangreiche, gemeinsam mit Gabi-Dolff-Bonekämper und Kerstin Wittmann-Englert herausgegebene Handbuch "Baukunst der Nachkriegsmoderne. Architekturführer Berlin 1949-1979" hervor. Als langjähriger Dekan der Fakultät I 2005-2012 konnte Buttlar die durch den hochschulpolitisch begründeten Rückbau der Geisteswissenschaften und die Einführung der neuen gestuften Studiengänge erforderliche Neustrukturierung der Fakultät und insbesondere den Aufbau des Instituts für Kunstwissenschaft und Historische Urbanistik konstruktiv fördern. Seit 2011 ist er Wissenschaftlicher Beirat der Wüstenrot Stiftung Ludwigsburg, die u.a. exemplarische Sanierungen von Baudenkmälern der Nachkriegsmoderne durchführt. Seit seiner Pensionierung 2013 leitet Buttlar am Institut zwei DFG-Forschungsprojekte zur preußischen Denkmalpflege im Kaiserreich und zum deutsch-russischen Kulturtransfer im 19. Jahrhundert, 2016 nahm er eine Gastprofessur an der TU St. Petersburg wahr.

Die Nachfolge von Wolfgang Wolters mit dem Schwerpunkt Italienische Kunst trat 2001 Roland Kanz (geb.1961) an, der jedoch schon 2002 auf den traditionsreichen Lehrstuhl an der Universität Bonn wechselte. Die Planstelle wurde in der damals anbrechenden Krise eingezogen und eine der vier Assistentenstellen stattdessen durch eine befristete Juniorprofessur ersetzt, für die das Institut die junge französische Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy (geb. 1972) gewinnen konnte. 2009 wechselte sie auf eine vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanzierte Zeitprofessur und 2013 auf den frei gewordenen Lehrstuhl für "Kunstgeschichte der Moderne" über. Bénédicte Savoy, die mit einer Untersuchung zum Kunstraub Napoleons 2000 (franz. 2003, dt. 2011) promoviert worden war, eröffnete gemeinsam mit ihrem Team junger WissenschaftlerInnen sowohl in der Forschung als auch in der Lehre durch zahlreiche innovative, teilweise aus Seminaren erwachsende Drittmittelprojekte wie etwa "Tempel der Kunst. Die Entstehung des öffentlichen Museums in Deutschland. 1701–1815" (Mainz 2006, Köln 2015²), "Museumsgeschichte. Kommentierte Quellentexte 1750–1950" (Berlin 2010), "Die Berliner Museumsinsel. Impressionen internationaler Besucher (1830–1990)" (Köln 2013) und mit der Kuratierung der Ausstellungen "Napoleon und Europa. Traum und Trauma" in der Bundeskunsthalle Bonn 2010/11 und "Die Gebrüder Humboldt. Das Europa des Geistes" im Pariser Observatorium 2014 ("Les frères Humboldt. L’Europe de l’Esprit", Katalog Paris 2014) sowie mit Forschungen zum Thema "Nofretete. Eine deutsch-französische Affäre 1912–1931" (Köln 2011) und Handbüchern wie "Pariser Lehrjahre. Ein Lexikon zur Ausbildung deutscher Maler in der französischen Hauptstadt", 2 Bde. (Berlin 2012/2015) neue kulturgeschichtliche, namentlich auf den europäischen Kulturtransfer und die Museumswissenschaft ausgerichtete Perspektiven. Savoy, die die künstlerischen und kulturellen Beziehung zwischen Deutschland und Frankreich in den Fokus ihrer Arbeit rückt, wurde seit 2009 in rascher Folge mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet, zuletzt mit dem Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Wahl in die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (2016). Seit 2014 wird sie im Rahmen der Opus-magnum-Förderung der Volkswagenstiftung in der Lehre durch Prof. Dr. Bärbel Küster vertreten.

Nachfolgerin Suckales als Vertreterin des Fachgebietes Kunstgeschichte ist seit 2008 Magdalena Bushart, die an der FU Berlin, an der Universität Wien und am Courtauld-Institute London studiert hatte. Sie lehrte nach ihrer Promotion (mit dem Standardwerk zur Gotikrezeption der Moderne "Der Geist der Gotik und die expressionistische Kunst. Kunstgeschichte und Kunsttheorie 1911 - 1925", München 1990) und nach ihrer Assistenz an den Staatlichen Museen zu Berlin 1992-1997 am Lehrstuhl für Kunstgeschichte der TU München sowie anschließend bis 2006 an der TU Berlin. Bushart habilitierte sich 2002 in München mit einer Arbeit über "Albrecht Altdorfer in seiner Zeit. Religiöse und profane Themen in der Kunst um 1500" (erschienen unter dem Titel "Sehen und erkennen. Albrecht Altdorfers religiöse Bilder", München 2004) und wurde 2006 auf den Lehrstuhl für Kunstgeschichte der Universität Stuttgart berufen. 2008 kehrt sie auf den von ihr zwischenzeitlich vertretenen Lehrstuhl Robert Suckales an die TU zurück. Bushart lehrt und forscht zur Architektur und zu den Bildkünsten vom ausgehenden Mittelalter bis zur Gegenwart (darunter auch zur NS-Kunst), ferner zu Kunsttheorie und Kunstkritik, etwa zu Adolf Behne, Walter Gropius und Wilhelm Worringer. Einen neuen Schwerpunkt bilden die Forschungen zur Materialität der Künste und zu den künstlerischen Techniken und Verfahren, die unter Busharts Regie das Profil des Instituts in der Lehre und nicht zuletzt durch die wissenschaftsgeschichtlich orientierte Tagungs- und Publikationsreihe "Interdependenzen" maßgeblich bestimmen. Unter ihrer Herausgeberschaft erschienen zuletzt: "Technische Innovationen und künstlerisches Wissen in der Frühen Neuzeit" (gemeinsam mit Henrike Haug; Köln, Weimar, Wien 2015), "Colour histories. Science, art, and technology in the 17th and 18th centuries" (gemeinsam mit Friedrich Steinle; Berlin 2015), "Die Farbe Grau" (gemeinsam mit Gregor Wedekind, Berlin 2016), "Formlos - formbar. Bronze als künstlerisches Material" (gemeinsam mit Henrike Haug; Köln, Weimar, Wien 2016) sowie "Kunstgeschichte in den besetzten Gebieten" (gemeinsam mit Agnieska Gasior und Alena Janatková; Köln, Weimar, Wien 2016). Es gelang Bushart darüber hinaus, eine neue, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgelobte Juniorprofessur für das Institut einzuwerben, die 2012 bis zu ihrer Berufung nach München 2016 mit Aleksandra Lipińska besetzt werden konnte und dem von Robert Suckale eingeführten Osteuropa-Schwerpunkt gewidmet war.

Die inhaltliche Nachfolge von Buttlars als Vorsitzen des Landesdenkmalrates Berlin (seit 2009) und in Forschung und Lehre zur Architekturgeschichte der Moderne trat 2013 apl. Professorin Kerstin Wittmann-Englert (geb. 1962) an, die nach ihrem Studium in Berlin und Bonn (dort Promotion zu einem Thema der byzantinischen Architekturgeschichte) 1992-1994 Assistentin an den Staatlichen Museen zu Berlin gewesen war, anschließend an der Freien Universität lehrte und ab 1998 als Postdoktorandin im Graduiertenkolleg "Kunstwissenschaft, Bauforschung, Denkmalpflege" und anschließend als Wissenschaftliche Assistentin an unserem Institut wirkte, wo sie sich 2005 mit der Untersuchung "Zelt, Schiff, Wohnung - Kirchenbauten der Nachkriegsmoderne" (Lindenberg 2006) habilitierte. Seither engagiert sich Wittmann-Englert in architekturhistorischen Projektseminaren und Tagungen und entsprechenden Publikationen für die Erforschung und Erhaltung des jüngsten Architekturerbes. Zuletzt erschienen aus Projektseminaren hervorgegangene Monographien zu den neuen Botschaftsgebäuden in Berlin (2004) und zu den Bauten der Landesvertretungen (2013) sowie der 2015 gemeinsam mit Paul Sigel herausgegebene Tagungsband "Der Freiraum unter dem Berliner Fernsehturm. Historische Dimensionen eines Stadtraums der Moderne". Seit 2014 ist Wittmann-Englert auch Mitglied der Expertengruppe des Internationalen wissenschaftlichen ICOMOS-Komitees zum Erbe des 20. Jahrhunderts.

Lehre und Organisation in den Fachbereichen werden nicht zuletzt durch die gegenwärtige Generation der wissenschaftlichen MitarbeiterInnen Andrea Meyer (seit 2003); Henrike Haug 2009-2015 (seither am KHI Florenz); Stefanie Stallschus und Ilka Waßewitz (beide seit 2012) sowie Isabelle Dolezalek (seit 2016) mitgetragen, die neue Akzente, insbesondere in der Materialikonologie und der Kunst der Moderne und Gegenwart setzen. Einmal mehr verdankte und verdankt sich das breite und attraktive Studienangebot der kunstwissenschaftlichen Fachgebiete der TU darüber hinaus dem Mitwirken zahlreicher Gastwissenschaftler, MitarbeiterInnen in den Drittmittelprojekten und Lehrbeauftragter, darunter seit vielen Jahrender Restauratorinnen Mechthild Most und Hildegard Homburger, der Privatdozenten Gerhard Charles Rump, Annemarie Jaeggi (Direktorin des Bauhaus-Archivs), Frank Martin (†, ehem. Arbeitsstellenleiter des Corpus Vitrearum Medii Aevi bei der BBAW), Jiří Veit (seit 2014 Direktor der tschechischen Nationalgalerie Prag), Veronica Biermann (z. Zt. Professorin an der Universität Leipzig) und Gerrit Walczak (z. Zt. Professor an der Universität Köln), sowie der Hororarprofessoren Hartmut Krohm (geb. 1940), der bis 2005 als stellvertretender Leiter der Skulpturensammlung des Berliner Bode-Museums amtierte, und Stefan Simon (vormals Rathgen-Forschungslabor, seit 2014 Direktor des Institute for the Preservation of Cultural Heritage der Yale-University). Darüber hinaus sind zahlreiche MitarbeiterInnen in den Drittmittel-Forschungsprojekten am Institut beschäftigt.

Last but not least: Die seit 1990 mit dem Fotografen und Bildautor Markus Hilbich besetzte Planstelle an der Fotothek unseres Institut ermöglichte den Auf- und Ausbau einer umfänglichen Fachdiathek und die kontinuierliche Umstellung der Lehrveranstaltungen auf digitale Medien, die Einrichtung spezieller Bilddatenbanken und die gezielte dokumentierende Unterstützung zahlreicher Forschungsprojekte und Publikationen. Auch der wechselnde Stab der TutorInnen und die beiden Institutssekretärinnen Eva Wolff und Annick Trellu dürfen als Garanten für den immer komplexer werdenden, aber nach wie vor reibungslos funktionierenden Betrieb der TU-Kunstwissenschaft nicht unerwähnt und ungelobt bleiben.

Wie seit nun rund 200 Jahren bleibt das Fach Kunstwissenschaft "im Fluss" und wird sich auch in Zukunft mit kritischem Augenmaß einerseits der hohen Verpflichtungen des künstlerischen Erbes und seiner Erforschung, Vermittlung und Bewahrung bewusst bleiben, andererseits auf die neuen Herausforderungen und Desiderate der modernen Gesellschafts- und Hochschulentwicklung zu antworten versuchen.

Juli 2016

Adrian von Buttlar
(unter Verwendung von Vorarbeiten von Christoph Brachmann)

Von der Gründung der Technischen Hochschule bis zur Einführung eines eigenständigen kunstgeschichtlichen Studienganges 1879-1968

Die Entwicklung einer eigenständigen Kunstwissenschaft an der TU seit 1968

 

 

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