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Collecting Now

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Quellen zeitgenössischen Kunstsammelns

Ein Interview-Projekt von Studierenden des Fachgebiets Kunstgeschichte der Technischen Universität Berlin, initiiert von Prof. Dr. Magdalena Bushart und Prof. Dr. Lars Blunck 

www.collectingnow.de


Der Leitgedanke:
Kunstsammler als Zeitzeugen

Kunstsammler sind durch den persönlichen Umgang mit moderner und zeitgenössischer Kunst wichtige Akteure im gegenwärtigen Kunstgeschehen. Ihre Ansichten und Erfahrungen als Zeitzeugen systematisch zu erfassen und als bedeutsame historische Quelle für die künftige Kunstgeschichtsschreibung zu sichern, ist das Ziel unseres Projekts „Collecting Now“.


Die Traditionslinie:
Auf den Pfaden der Oral History

Tagesaktuelle Interviews (insbesondere jene mit Künstlern) haben im zeitgenössischen Kunstbetrieb Hochkonjunktur, man denke lediglich an die entsprechenden Rubriken in einschlägigen Kunstmagazinen wie dem Kunstforum International oder aber an die Conversation Series von Hans Ulrich Obrist. Von dieser Interview-Praxis unterscheidet sich unser Projekt in einem ganz wesentlichen Punkt: Es knüpft mit seinem dokumentarischen Anspruch an die Tradition der Oral History an, einer geschichtswissenschaftlichen Methode zur Erzeugung und Sicherung von Quellen. Im Rahmen groß angelegter Oral History-Programme wurden in den USA seit den frühen 1960er Jahren Künstler, Galeristen und teilweise auch Kunstsammler systematisch befragt, um deren Zeitzeugenschaft langfristig zu sichern. Daraus entstanden sind Archive, die der wissenschaftlichen Kunstgeschichte, aber auch einem breiteren Fachpublikum wichtiges Quellenmaterial zum Verständnis der Kunst und Kunstgeschichte der letzten Jahrzehnte bereitstellen. Wenn wir nun zeitgenössische Kunstsammler und -sammlerinnen bitten, uns in strukturierten Interviews Einblicke in ihre Tätigkeiten und Erfahrungen zu gewähren, so tun wir dies in genau dieser Überzeugung: dass ihre An- und Einsichten im Sinne einer thematisch fokussierenden Oral History für zukünftige Forschungen wissenschaftlich gesichert werden sollten.


Die Vorarbeit: Kunstsammler im 19. und 20. Jahrhundert

Zur Vorbereitung auf die Begegnung mit zeitgenössischen Kunstsammlern schien es uns unerlässlich, zunächst eine historische Perspektive einzunehmen. Am Anfang des semesterübergreifenden Projekts stand deshalb die intensive Beschäftigung mit privaten Kunstsammlern und -sammlungen im 19. und 20. Jahrhundert, wobei wir auf gravierende Lücken im historischen Quellenmaterial stießen. Der Rückblick vermittelte uns nicht nur eine Vorstellung vom Facettenreichtum und der Komplexität des Themas „Kunstsammeln“, sondern ermöglichte uns auch, Fragestellungen herauszuarbeiten, die uns in Bezug auf zeitgenössisches Kunstsammeln besonders interessieren.


Die Perspektive: Kunstsammler und Kunstsammlungen im Fokus

Wo es üblicherweise in der Natur unseres Faches liegt, vom Kunstwerk auszugehen, möchten wir mit unserem Projekt gerade die subjektive Perspektive des Sammlers, sein Selbstverständnis, seine gewandelte Position und Bedeutung im aktuellen Kunstgeschehen in den Blick nehmen. Denn unser Projekt begreift Sammler und insbesondere Sammler zeitgenössischer Kunst als aktive Teilnehmer innerhalb des Kunstgeschehens. Zwar mögen die Gründe, sich dem Sammeln von Kunst zu widmen, ganz unterschiedlich sein. So verfügt jeder Sammler über seine eigene Motivationen, individuelle Auswahlkriterien und ein eigenes Konzept. Doch so unterschiedlich auch das Selbstbild sein mag, Sammler eint ihr einzigartiger Einblick in die Strukturen, Mechanismen und Verhältnisse im Kunstbetrieb. All dies – Rolle, Selbstbild und Einsichten – macht Kunstsammler zu wichtigen Zeitzeugen, die durch die Wiedergabe ihrer Erfahrungen und Erlebnisse zum Verständnis des zeitgenössischen Kunstgeschehens beitragen können. Wir fokussieren dabei auf Sammler mit einem originären Berlin-Bezug, um damit auch die vitale Kunstszene der Stadt zum gegenwärtigen Zeitpunkt zu dokumentieren.


Im Dialog: Die Realisierung der Interviews

Im Rahmen unseres langfristig angelegten Projektes werden wir eine Vielzahl von Sammlern mit einem dezidierten Berlin-Bezug einladen, mit uns ein Gespräch zu führen und dergestalt unser Projekt zu unterstützen. Seit Anfang des Jahres 2010 werden Interviews durchgeführt; Termine und Ort werden entsprechend der Wünsche der Gesprächspartner vereinbart. Angestrebt ist eine Gesprächslänge von jeweils 90 Minuten. Die audiodigital aufgezeichneten Interviews werden von einer Gruppe von drei oder vier Studierenden durchgeführt (zusätzlich nimmt einer der beiden Initiatoren, Prof. Dr. Magdalena Bushart oder Prof. Dr. Lars Blunck daran teil). Die Fragestellungen konzentrieren sich auf die übergeordneten Bereiche „Das Sammeln“, „Die Sammlung“ und „Der Sammler“. So wäre beispielsweise danach zu fragen, welchen persönlichen Blick der Sammler auf das aktuelle Kunstgeschehen, auf künstlerische Strömungen und auf die Entwicklungen im Kunstmarkt hat. Wie definiert er seine Rolle und Aufgabe als Sammler? Welchen Motivationen unterliegt sein Sammeln, welchen Konzepten die Sammlung? Welche Rolle spielen Sammler bei der Wahrnehmung und Etablierung zeitgenössischer Kunst? Welche Wege gehen sie bei der Kooperation mit der öffentlichen Hand? Und welche Möglichkeit sehen sie, ihre Kunst der Öffentlichkeit zugänglich zu machen? Derartige und weitere Fragen möchten wir gern in strukturierten Interviews mit zeitgenössischen Kunstsammlern näher beleuchten.


Die Verwendung:
Der Aufbau eines Interview-Archivs

Die audiodigitalen Gesprächsaufzeichnungen werden nach der Durchführung des Interviews transkribiert, redigiert, den Sammlern zur Autorisierung vorgelegt und anschließend zum Zwecke späterer Forschung inklusive der digitalen Audiodateien archiviert. Projektiert ist überdies ein internetbasiertes Portal, in welches Interviewtranskriptionen und ein kurzer audiodigitaler Mitschnitt nach ausdrücklicher Zustimmung der Interview-Partner eingestellt werden könnten; möglich wäre auch eine kleinere Publikation. Die Entscheidung über die Archiv- und Publikationsform hängt indes ganz wesentlich vom Einverständnis der Sammler ab.


Die Zukunft: Ausblick und Chancen unseres Projektes

Unser Projekt ist langfristig angelegt. Es ist geplant, dass nachfolgende Studierende unsere Vorarbeiten fortsetzen, weitere Interviews mit anderen Sammlern durchführen und so eine umfangreiche Dokumentation des Kunstsammelns zu Beginn des 21. Jahrhunderts entsteht. Darüber hinaus ist das Projekt so angelegt, dass es thematisch ausbaubar ist, etwa indem in späteren Phasen Galeristen oder Kuratoren in vergleichbarer Weise befragt werden können, um späteren Forschungen eine Vielzahl von Bausteinen für die Rekonstruktion eines Bildes vom Kunstbetrieb unserer Zeit zu überliefern. Neben dieser langfristigen Perspektive kann das Material aber auch unmittelbar als wichtige Grundlage für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Themengebiet „Kunstsammeln“ dienen – etwa im Zusammenhang von Bachelor- und Masterarbeiten, wie sie bereits heute zum Kunstbetrieb Berlins am Fachgebiet Kunstgeschichte der Technischen Universität entstehen.



Collecting Now. Quellen zeitgenössischen Kunstsammeln

Ein Interview-Projekt von Studierenden des Fachgebiets Kunstgeschichte der Technischen Universität Berlin



Aktuelle Projektgruppe:
Felicitas Aull
Helge Baumgarten
Susann Becker
Margret Bertling
Nicole Borowski
Helene Bosecker
Hildrun Dreyer
Verena Emke
Marie Förster
Nora Gauger
Clara Gehlen
Nina Hagner
Frithjof Hahn
Eva Heidke
Daniela Hönigsberg
Krisztina Hunya
Keumhwa Kim
Annabelle Kuhm
Mei-Hau Kunzi
Chris Lünsmann
Nadine Marker
Mona Mathe
Karola Matschke
Viktor Neumann
Christin Noll
Julia Pfannschmidt
Karolin Pfeiffer
Helene Romakin
Axel Städter
Julia Schubert
Theresa Wissmann
Anna Wolk
Gabriele Zöllner


Kontakt:

Technische Universität Berlin
Fachgebiet Kunstgeschichte
Prof. Dr. Magdalena Bushart und Prof. Dr. Lars Blunck
Straße des 17. Juni 150/152, Sekr. A 56
10623 Berlin

Fon: 030 – 314 22233
Fax: 030 – 314 23844
E-Mail: ,
Internet: www.kunstwissenschaft.tu-berlin.de

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Adresse

Technische Universität Berlin
Institut für Kunstwissenschaft
und Historische Urbanistik
Sekr. A 56
Fachgebiet Kunstgeschichte
Straße des 17.Juni 150/52
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